Der handwerklich-industrielle Siebdruck, der Textildruck und die (künstlerische) Serigraphie gehören zur Gruppe des so genannten Durchdruckverfahrens. Die Druckform (Schablone) des Siebdrucks besteht aus einem Rahmen mit einem aufgespannten Gewebe. Teile des Gewebes sind abgedeckt (die Sperrschicht besteht aus einer belichteten, fotosensiblen Schicht). Die zu druckenden Teile sind offen und für die Farbe durchlässig. Das Ganze wird dann als Schablone, Drucksieb oder Druckform bezeichnet.
Die Gewebegeometrie (Gewebedicke und Maschenöffnung) bestimmt weitgehend, wie viel Farbe auf das Druckgut (Substrat) aufgetragen wird. So wird eine definierte Farbschicht erzielt, die jederzeit reproduziert werden kann.
Die Schablone wird über dem Druckgut fixiert. Die Distanz zwischen Substrat und Schablone nennt man Absprung.
a) Schablone b) Druckgut (Substrat) c) Drucktisch d) Absprung
Die Farbe wird auf das Gewebe gebracht und mit einer Flutrakel gleichmässig verteilt. Die Farbübertragung auf das Druckgut erfolgt dann mit der Druckrakel, die unter Druck über die Schablone geführt wird
a) Druckrichtung b) Druckrakel c) Schablone d) Druckgut (Substrat)
Über Druck nach unten wird der Absprung überwunden (Abstand zwischen Druckgut und Schablone). Die Druckrakel erzeugt eine Kraft, mit der sich die pastenförmige Farbe an der Rakelkante in eine flüssige Form umwandelt. Man nennt dies das Rheologieverhalten der Druckfarbe - sie wird durch Druck flüssig und erstarrt sofort wieder, wenn der Druck nachlässt.
Auf diese Weise fliesst die Farbe durch die offenen Gewebemaschen und wird vom Druckgut aufgenommen. Anschliessend löst sich die Schablone direkt hinter der Druckrakel durch den Absprung wieder aus der Farbe. Die übertragene Druckfarbe geht dann sofort wieder von der Flüssigphase in die pastöse Form zurück. Die fest gewordene Farbe verläuft daher nicht und tropft auch nicht vom Sieb. Das Druckbild ist sauber und klar.